Schloss Sigmundsried:

Turm - Dorfburg - Jagdschloss - Gerichtssitz - Schloss

Geschichte

Ried wurde 1120 in den Büchern des bayerischen Klosters Reichenbach, das damals grundherrliche Rechte in Ried besaß, erstmals namentlich erwähnt. Der Name Ried hat mehrere Bedeutungen: "versumpftes Gebiet", „gerodetes Land" oder „Schilf". Bronzezeitliche und römische Funde deuten auf eine frühe Besiedlung hin ( Keltischer Weihefund 1700 v. Ch. sowie römische Münzen Funde). Die Dorfburg steht am südwestlichen Ende der Ortschaft Ried im Oberinntal am Rande einer erhöhten Innterrasse. Von dem Ansitz aus konnte die Handelsstraße (in römischer Zeit die Heeresstraße Via Claudia Augusta) über den Reschenpass kontrolliert werden. Es gibt auch Vermutungen dass an der Stelle des Schlosses ein römischer Wachturm ( „Turm" ) gestanden sei.

Der Turm zu Ried

1325 wurde die damalige Burg ( der Turm zu Ried) von Hermann I. von Ried (Hermanus de Ried) als Stammsitz der Herren von Ried erwähnt. Hermann von Ried hatte 1312/13 das landesfürstliche Richteramt in Prutz und 1323/25 jenes in Nauders inne. Dieses tirolisch-landesfürstliche Lehen ging in der Folge auf seinen Sohn Erhart (erwähnt 1326–1361) bzw. seine Enkel Matheis und Hermann II. (bis 1381) über. Der im Wappen der Herrn von Ried enthaltene Basilisk ist ein Fabeltier und besteht aus einer Mischung von Hahn, Schlange und Drache ( Der Basilisk ist auch heute noch im Gemeindewappen von Ried enthalten).

1381 kam der Turm durch Kauf in den Besitz der Starkenberger, die zu einem der wohlhabendsten Adelsgeschlechter des Oberinntales aufstiegen. Damals hat Herzog Leopold III. von Habsburg dem Hans von Starkenberg den Turm ze Ryed verliehen. 1427 wird Ried als Eigentum des Tiroler Landesherrn genannt. 1449 folgt Hans Rieder von Klausen, dieser übergibt gegen einen Zins den Turm 1462 dem Caspar Payr und dessen Frau Anna, 1466 folgt Andre Rieder.

Das Jagdschloss

1471 erwarb „Herzog Sigmund der Münzreiche" von Habsburg, der seit 1446 die Regerntschaft in Tirol innehatte, den „Turm zu Ried" .Er ließ ihn 1471/72 zu einem stattlichen Jagdschloss umbauen und nannte ihn danach Sigmundsried. Wegen seiner verschwenderischen Lebensweise musste Erzherzog Sigismund auf Drängen der Tiroler Landstände seinen Besitz an den späteren Kaiser Maximilian I. abtreten. Da der Edelsitz unter die Obhut des Pflegers von Burg Laudegg bei Ladis fiel, wohnten die Pfleger von Laudeck bevorzugt auf Sigmundsried.

Sigmundsried selbst wurde noch zu Lebzeiten des Erzherzogs Siegmund den Münzreichen verpfändet bzw. verkauft. Als Lehens- oder Pfandnehmer sind zu nennen: Oswald von Schrofenstein (1474), dann 1477 Hiltprand Rasp von Laufenbach zu Berneck und 1481 neuerlich Oswald von Schrofenstein.

Nach dem Tod Oswalds († 1497) folgt sein Sohn Siegmund von Schrofenstein, der Sigmundsried 1532 ohne Pfandablöse an König Ferdinand I. von Habsburg abtreten musste. König Ferdinand schenkte Sigmundsried dann „seinem treuen Kammerdiener" zu rechten, freyen aigen Martin Pedrot (1532).

Dieser verkauft das Schloss vor 1535/40 an den Pfleger von Laudegg, den Ritter Veit von Wehingen (Er spielte beim Sacco di Roma und in der Schlacht von Pavia eine wesentliche Rolle).

Der Gerichtssitz

Veit von Wehingen verlegte den Verwaltungssitz ca. 1550 von der Burg Laudegg (Ladis) nach Ried ins Schloss Sigmundsried, weil Laudeck damals bereits „öed und ybl qualificiert" war. Veit von Wehingen ließ in Sigmundsried eine Kapelleerrichten, die aber um die Mitte des 17. Jahrhunderts profaniert und verbaut wurde. Nach seinem Tod ging das Schloss zu gleichen Teilen an seine Söhne Christoph und Hans Franz über. Hans Franz von Wehingen kaufte 1550 den Hälfteanteil seines Bruders. Dreiundzwanzig Jahre später starb er. Damit erlosch die Tiroler Linie der Wehinger im (1573).

In der Folge ging Sigmundsried an den Mann seiner Tochter Helena, Christoph von Knillenberg, über. Dessen Söhne Franz und Andreas von Knillenberg werden noch 1630 als Pfandinhaber der Pflege Laudeck. erwähnt und befanden sich wohl im Besitz des Schlosses Sigmundsried. Der Verwaltungssitz befand sich seit 1550 im Schloss Sigmundsried, nur der Name Pflegschaft Laudegg wurde beibehalten.

Der Pflegsverwalter Andreas Sterzinger vom Turm in der Breite in Prutz erwarb um die Mitte des 17. Jhs. Sigmundsried, von wo aus er (wie später auch seine Nachfolger) die Pflegschaft von Laudeck, also den Bereich Ladis, Fiss, Serfaus, Ried, Prutz, Fendels, Kauns, Kaunertal, Kaunerberg, Tösens und See. Den Namen „Andreas Sterzinger von Sigmundsried" durfte er seit seiner Adelsverbesserung im Jahre 1684 als Prädikat führen.
Martin Andreas Sterzinger übernahm von seinem Vater Andreas Sterzinger das Amt des Pflegers von Laudegg und wurde bekannt als Bauernführer und „Held von Pontlatz" . Dort fügte er 1703 im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges als Anführer der Tiroler an der Pontlatzer Brücke den Bayern eine schwere Niederlage zu. Seine Nachkommen besaßen das Schloss bis zum Jahre 1775.

Dann folgen als bäuerliche Besitzer Johann Chrisostomus Wille sowie 1782 Joseph Aloisius und Johann Georg Wille. Diese verkaufen 1786 je zur Hälfte den Besitz an Johann Heiseler und Joseph Heiseler, wobei in diesen Zeiten Räume des Schlosses für Kanzleien und Verwaltung dem Gericht Laudegg/ Ried zur Miete überlassen wurden.

1841 wurde das Schloss vom Hofärar der Habsburgermonarchie gekauft. Hier brachte man nun das Landgericht von Ried, die Arreste und die Wohnungen für den Richter und den Gerichtsdiener unter (großteils erhalten). Bis zum 31. Dezember 1977 war Sigmundsried der Sitz des Bezirksgerichtes Ried in Tirol, seit 1978 gehört der gesamte politische Bezirk Ried / Laudeck zum Gerichtsbezirk Landeck. Danach diente das Schloss dem Österreichischen Bundesheer als Magazin. Der damalige Eigentümer war die Republik Österreich.

Das Schloss als Kulturzentrum

Seit 1999 befindet sich das Schloss Sigmundsried im Besitz der Gemeinde Ried. Im Mai 2014 wurde der Kulturverein SigmundRied gegründet, der das Schloss durch vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen wieder in den Mittelpunkt des Interesses rückt.

Bau Beschreibung

Die ursprüngliche Anlage zu Anfang des 14. Jh.s bestand aus drei aneinandergereihten, jeweils mit etwa der gleichen Grundflachengröße ausgestatteten Kompartimenten: dem im Südosten am tiefsten Geländepunkt stehenden, bergfriedartigen Turm, dem durch beidseitige Ringmauern geschlossenen Hof und dem ursprünglich turmartigen Wohnbau (Palas) im Nordwesten. Der Turm Mauerstärke (1,50 m) besitzt einen annähernd quadratischen Grundriss (11,40 × 11,63 m) . Siegmund von Schrofenstein ließ den ehemals offenen Innenhof schließen. Der dadurch gewonnenen übereinander liegenden Hallen bilden heute den künstlerisch wertvollsten und interessantesten Teil des Schlosses. Die Kreuzgratgewölbefelder der Erdgeschosshalle wurden um 1535/40 mit Blumen und Weintraubendekor im damals modernen Stil der Renaissance bemalt. In den zwei Gewölbezwickeln über der Mittelsäule befinden sich Wappenmalereien (Königsadler, österreichischer Bindenschild, Tiroler Adler, Wappen der Wehinger u. a.) aus derselben Zeit. Das Gewölbe in der oberen, etwas niedrigeren Halle wird durch ein aus Akanthusblättern und Delphinen gebildetes Kapitell aus Marmor geschmückt. Im Arkadenzwickel ist ein mit 1527 datierter Wappenstein des Viktor von Montani und seiner Gemahlin Margareth von Schrofenstein eingelassen. Im 19. Jahrhundert wurde der Palas um ein Geschoß erhöht.

Im Untergeschoss des Turms befindet sich ein mittelalterliches Angstloch. Als Angstloch (vermutlich von lat. angustus „eng") bezeichnet man in mittelalterlichen Burgen und Festungen einen engen Zugang zu einem darunter liegenden Raum. Dicke Mauern, ein Tonnengewölbe und die spärliche Beleuchtung durch einen Lichtschlitz vermitteln ein beklemmendes Gefühl in dem unterirdischen Raum, den man durch das „Angstloch" erreichte. Er wurde einst als Kerker verwendet. Die Gefangenen versorgte man durch eine Öffnung im Gewölbe mit Speisen. Später diente das Verlies als Vorratskeller. Vom Angsloch aus soll ein unterirdischer Fluchtweg zum Patrizierhaus (Schwaiglhaus) geführt haben.

Übersicht der Besitzer vom Schloss Sigmundsried

1325 Hermanus de Ried
1339 Erhard von Ried (Hermanus Sohn)
1381 Ritter Hans von Starkenberger
1449 Hans Rieder von Klausen
1462 Caspar Payr
1466 Andre Rieder
1471 Herzog Siegmund von Tirol und Vorlande
1474 Ritter Oswald von Schrofenstein
1477 Hans Vogt
1477 Hilprand Rasp von Laufenbach zu Berneck
1481 Ritter Oswald von Schrofenstein
1497 Sigmund von Schrofenstein
1532 Martin Pedrot
1546 Ritter Veit von Wehingen
1550 Hans Franz von Wehingen zu Sigmundsried
1573 Familie Knillenberg
1684 Familie Sterzinger von Sigmundsried ( Martin St.; Andreas St.; Martin Andreas St.;
         Christian Josef St.; usw.. )
1775 Johann Chrisostimus Wille
1782 Joseph Aloisius und Joh. Georg Wille
1786 Johann Heiseler und Joseph Heiseler.
1841 K.u.K. Bundesärar erwirbt Siegmundsried zur Gänze
1977 Österreichisches Bundesheer
1999 Gemeinde Ried

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